Jedes Jahr im Mai trifft sich die PV-Branche zum wohl wichtigsten Event in diesem Geschäft in Shanghai. Mit über 1,800 Ausstellern und mehr als 200,000 Besuchern steht die Messe und ihre Konferenz unangefochten an der Spitze vergleichbarer Veranstaltungen weltweit. Eine Branchenmesse ist außerdem ein sehr guter Indikator für die Zyklen innerhalb des Geschäftsfeldes.

Ich besuche diese Veranstaltung seit 2006 regelmaessig und kann anhand der Besucherzahlen, Aussteller, Veranstaltungsort … einen Graphen der Entwicklung der – doch sehr jungen – PV nachzeichnen. Da war Anfangs der Boom, startend auf einem sehr niedrigen Niveau, dann die erste Delle mit der Finanzkrise. Wenig später die Protektionismusbestrebungen in US und EU, die unter dem Euphemismus „Anti-Dumping“ zum Beinahe-Tod der Industrien in EU und US geführt haben. Über die Zeit hat sich sowohl die Technologieführerschaft, Marktführerschaft als auch der generelle Herstellungsort weitgehend nach Asien verlagert. Die Dellen waren zwar in China ebenso sichtbar, haben am Ende der PV jedoch nicht nachhaltig geschadet. Anders in EU und US, wo die vermeidbaren politischen Fehler zu nicht korrigierbaren Verlusten geführt haben.

Martin Green

Am Anfang stellte Deutschland die Lokomotive der Erneuerbaren dar. Es gab sogar einmal eine „Umweltkanzlerin“, doch die Zeiten sind vorbei. Hoffnungsträger ist wieder – oder immer noch – China. Dies folgt natürlich einer gewissen Logik. China benötigt Energie und alle weiteren Optionen zu den Erneuerbaren haben sich als zu teuer, zu schmutzig oder als zu abhängig herausgestellt. Meist alles zusammen. Es ist kein Greenwashing, wenn sich China wie angekündigt aus der Kohle zurückziehen wird, sondern eine schlichte Notwendigkeit, die die ökonomisch-oekologische Vernunft gebietet. Im aktuellen 13. Fünfjahrplan sind einige konkrete Projekte benannt, die die PV-Branche (inkl. Speicherung) direkt betreffen.

3. Renewable energy

* Begin construction on 60 gigawatts of regular hydropower capacity, giving

priority to hydropower development in the southwest;

 

* Coordinate the development of end-use markets and power transmission

routes; take ordered steps to optimize the development of wind energy and photovoltaic

energy in the northern, northeastern, and northwestern regions and in coastal areas;

 

* Accelerate the development of dispersed wind power and distributed

photovoltaic power in the central, eastern, and southern regions;

 

* Carry out solar thermal energy demonstration projects;

 

* Build the national new energy integrated demonstration zone in Ningxia,

and actively move forward with the development of demonstration zones for renewable

energy such as those in Qinghai and Zhangjiakou.

4. Energy storage and distributed energy

* Make breakthroughs in and promote the industrial application of key

technologies such as next generation photovoltaics, high-efficiency, high-wattage wind

power generation, biomass energy, hydrogen power and fuel cells, smart grids, and new

types of energy storage devices;

 

* Facilitate the comprehensive utilization of distributed new energytechnologies;

 

* Promote the large-scale development of related techniques and equipment.

Da die Fuenfjahrplaene Gesetzescharakter haben, sind sie eine gute Basis fuer Planungen innerhalb der Privatwirtschaft. Damit angesichts der Erfahrungen mit den Zyklen der Industrien und der „Ueberproduktionskrise“ ab 2014 keine Unklarheiten aufkommen, hat man in den aktuellen Plan nochmals ausdrücklich erklärt: „We will continue to give impetus to the development of wind and photovoltaic power and provide strong support for solar thermal energy.“

Die Branche hat das in Shanghai zur Kenntnis genommen. Der Tenor in all unseren Gesprächen mit den Firmen aus D.A.CH war durchweg positiv, was die Aussichten der PV in China betrifft. Etwas verhalten-positiv waren die persönlichen Prognosen der Aussteller bezüglich ihres Heimatmarktes in EU. Hier wünscht man sich z.B. von der deutschen Regierung ein ähnliches Bekenntnis. Sehr deutlich adressierte dies auf der Konferenz Hans-Josef Fell, der seinerzeit kassandraartig die Deutsche Regierung vor den katastrophalen Folgen der Lex Solarworld gewarnt hatte.

„Kanzlerin Merkel wäre bei ihrem Chinabesuch letzter Woche gut beraten gewesen auch die SNEC in Shanghai zu besuchen. Dort hätte sie erkennen können, welchen dramatischen industriepolitischen Fehler Deutschland unter ihren Regierungen begangen hat, als die industrielle Führerschaft Deutschlands in der Solarwirtschaft mit ihrer Antisolarpolitik aktiv nach China verjagt wurde. Die ehemals gerade in der ostdeutschen Braunkohleregion aufblühenden Solarfabriken in Frankfurt/Oder, Bitterfeld oder Freiberg wären dann nicht Geschichte, sondern exakt die Basis für den viel gesuchten Strukturwandel beim notwendigen Schließen der Braunkohlewirtschaft. China hat dies verstanden und setzt genau auf diesen Strukturwandel weg von der Kohle und hin zu Erneuerbaren Energien.“ H.J.Fell

Hans-Josef Fell, SNEC 2018, Shanghai

Vielleicht hört man ihm diesmal zu. Deutschland wird sein Klimaziel deutlich verfehlen. Häme ist jedoch nicht angebracht. Auf Europa und Asien liegt im Augenblick die Hoffnung der Welt, den Klimawandel, wenn schon nicht zu verhindern, so doch die Folgen zu dämpfen. Die erratische Politik der US hat dazu geführt, dass man fast unisono der Branche dort, kaum noch Chancen einräumt. Das ist für den amerikanischen Maschinenbau, aber auch für deren Heimat-Markt, der z.B. durch die Internetkonzerne wie FB, Google und auch Apple getrieben wird, umso bitterer. Auf lange Sicht wird „America First“ dazu führen, dass sich die US immer weiter zum Importland für Erneuerbare entwickelt.

Es ist eine Binsenweisheit, dass „Irgendwer Zuerst“ kein besonders kluger Ansatz in einer vernetzten, globalisierten Welt ist. Ganz besonders dann nicht, wenn es drängende Probleme gibt, die man nur gemeinsam lösen kann – und muss. Umso erfreulicher ist es, dass viele Menschen diesem einfachen Rezept nicht auf dem Leim gehen. So wurden einige interessante globale Initiativen verabschiedet, wie z.B. die Asien-Afrika-PV-Organisation, World Alliance for Solar Solutions (by Solar Impulse) oder eine Solar-Life-Style-Kampagne (by solarfuture.today). Einige der Initiativen werden wir demnächst im Blog kolportieren – zusammen mit einigen Interviews, die wir auf der Messe geführt haben.

Sven Tetzlaff

Comments powered by CComment