Die Firma Manz (Manz AG) aus Reutlingen gehört – gemessen am Alter der meisten Maschinenbauunternehmen Deutschlands – zu den blutjungen Protagonisten. Erst 1987 gegründet, ist es zu einer stattlichen Groesse herangewachsen.

Wie bei allen Unternehmen, gab es auch bei Manz Höhen und Tiefen. Besonders die Stornierungen durch chinesischen Firmen im Jahre 2015, die fuer den zu dem Zeitpunkt durch die Lex Solarworld kollabierenden EU/US Markt fertigen wollten, sorgten fuer einige Zeit fuer Aufregung. 2017 hat Manz dieses Problem durch neuerliche Grossauftraege aus China kompensiert. Diese Auftragnehmer fertigen nun überwiegend fuer den asiatischen Markt.


Im Januar 2017 wurde mit der China Shenhua Energy und Shanghai Electric ein Forschungs--Joint-Venture und ein Equipment-JV für Vertrieb und Wartung von CIGS-Modulen gegründet. Es wurden/werden eine Produktionslinie mit 306 MW/a und eine Forschungslinie mit 44 MW/a errichtet.

Reinhard Dahlem ist Director of Product Management in Suzhou (Jiangsu)


Reinhard Dahlem


Sven Tetzlaff/ Kathai Media:
Was sind die Gründe fuer Manz, in China zu produzieren?

Reinhard Dahlem: Generell sind das vor allem die Lieferzeiten und die Nähe zum Markt. Große Anlagen werden verschifft. Dies bedeutet, die kürzeste Transport-Zeit betraegt Wochen mit dem Schiff aus der EU bis hierher + Zollklärung. Das zieht sich schon sehr hin. Am Ende hat man zwei Monate Verzögerung, allein durch den Versand. In dem Moment wo man hier fertigt, gibt es fuer den Endkunden sehr viele Vorteile, die sich auf die Kosten auswirken.

Wir hatten ganz aktuell ein großes Projekt mit einem chinesischen Kunden, der gleichzeitig Aktionär bei uns ist. Wir bauen fuer ihn eine komplette Fabrik fuer CIGS Solarmodule. Da wir im Laufe der Jahre die einzelnen Technologien in diesem Bereich bei uns entwickelt haben, sind wir in der Lage aus unserem eignen Portfolio bis zu ca. 80% der komplette Fab zu bedienen. Also die eigentliche Beschichtung der Module, dann das Handling, die Automation dazu, die Laserapplikationen die benötigt werden, usw.

Meine wesentliche Aufgabe ist, die Supplychain fuer diese Produkte sicherzustellen. In Europa kann man allein schon aus Kapazitaetsgruenden, ein solches Projekt wie bei so so einer kompletten Fab fuer China, nicht in der erforderlichen Zeit abwickeln.

Was auch klar ist, dass, wenn man hier produziert, auch immer ein Transfer von Know How stattfindet. Wie weit man sich da aus dem Fenster lehnen möchte, muss man dann entscheiden. Man muss gewisse Sachen, die man als eigenes Know How betrachtet und die man auch nicht herausgeben möchte, als IP definieren. Es gibt aber auch genügend Dinge die hier gefertigt werden, bei denen IP keine Rolle spielt.

Kathai: Das bedeutet auch, dass Sie in China schneller und leichter skalieren können?

Dahlem: Ja, eindeutig. Aber das dauert natürlich auch hier seine Zeit, bis man die entsprechenden passenden und fähigen Hersteller bzw. Zulieferer gefunden hat. Ich mach das ja schon eine Weile und weiß daher auch, was machbar ist und was evtl. nicht so einfach zu bewerkstelligen ist.

Kathai: Wie bewerten Sie den Fachkräftemangel in China?

Dahlem: Das ist eine gute Frage. Man muss sich hier das Personal selber aufbauen, also ausbilden. Aber nicht so, wie wir das aus DE kennen. Das Modell der Dualen Ausbildung gibt es hier nicht. Die Leute kommen von der Schule und haben lediglich eine gewisse Grundausbildung. Gäbe es ein Duales System in China, würden wir das absolut unterstützen. Was im Moment passiert, ist, dass man händeringend nach Leuten sucht. Also solche mit Berufsausbildung, aber noch möglichst jung usw. Die Schwierigkeit ist vor allem, dass durch die schiere Menge an Leuten, die sich bewerben, schließlich die richtigen Leute herauszufiltern. Das ist in China ein sehr komplizierter Prozess. Wenn der Bewerber dann geeignet ist, ist es meistens so, dass derjenige nicht nur die Prozesse beherrscht, sondern natürlich auch seine eigene Karriere im Blick und eigene Ambitionen hat. Der sieht die aktuelle Tätigkeit bei Manz als eine Stufe an und strebt nach Höherem z.B. im Management. Die Fluktuation in den Unternehmen ist sehr hoch. Bewerber mit 4 Stellen in 6 Jahren sind nicht so ungewöhnlich. Fuer die Komplexität vieler Berufe bei Manz würde dies bedeuten, sowie der sich eingearbeitet hat, ist er auch schon wieder weg. Dennoch, Manz findet noch immer Personal in China, aber es ist schwierig.

Kathai: Was erwarten Sie in der Branche fuer die nächsten 24 Monate?

Dahlem: In DE ist dieser Markt stark zurückgegangen. Dagegen ist in China noch sehr viel möglich. CIGS ist ja fuer große Anlagen gedacht und geeignet. Auch das passt gut zu China. Wir werden sicher von dem aktuellen Aufwärtstrend der PV in China bzw. der Welt profitieren. Ob das nun an den sogenannten Schweinezyklen liegt oder ein nachhaltiger Trend in China/ Asien ist, vermag ich nicht zu sagen.

Um das Thema etwas weiter zu fassen, ich bin Ingenieur, und was mich erstaunt, wie stark die Qualität und die Vielzahl der Produkte in China gewonnen hat. Nicht nur die Kernkomponenten, sondern auch das ganze Drumherum. Der Qualitätsgewinn und das Wachstum der Unternehmen der letzten Jahre sind wirklich verblüffend. Man hat das ja auf der SNEC gesehen. Firmen, die vor Jahren noch kleine Stände hatten, treten nun in beeindruckender Groesse mit hochwertigen Produkten auf. Das ist schon extrem bemerkenswert.

Kathai: Wir danken fuer das Gespräch!

Sven Tetzlaff

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