Warum sollte ich mit meiner Firma nach China gehen?" Dies ist eine der Fragen, die wir beinahe täglich beantworten sollen. Die schlechte Nachricht: Darauf gibt es leider keine generelle Antwort und es gibt sicher Gründe für manche Start-ups, genau dies nicht zu versuchen. Die gute Nachricht: Es gibt unserer Auffassung nach deutlich mehr Gründe, den Sprung zu wagen. Also, warum China?

Grund 1 – Hürden in D.A.CH

Deutsche Maschinenbaufirma Schmid

Gerade Start-ups in D.A.CH. bemängeln, dass in Europa zwar vieles sehr einfach arrangiert ist, aber man sehr schnell auf fast unüberwindliche Hürden stößt, die traditionell gewachsen sind und die man so nicht erwartet hat. Das fängt mit der Finanzierung über Banken an, geht weiter über Kammern und „Rollen“, bis hin zu eingefahrenen Distributionsschinen, die sich partout nicht umgehen lassen.
Lucas Rondez fasste das kürzlich auf einem Entrepreneurstreffen in Hangzhou zusammen mit: “In Europe everything is easy but nothing is possible, in China it is all difficult but everything is possible.”

Grund 2 – Markt China

Serverraum in Alibaba

Es ist müßig, hier viel über den chinesischen Markt zu schreiben. Jeder, der sich mit der Materie auskennt der weiß, welches Potential in diesem Markt steckt. Es macht natürlich einen Unterschied, ob man in China produziert/designed und dann auf dem chinesischen Markt anbietet oder ob man dies erst importieren muss. Die schier unendliche Fülle an Distributionsschinen, stehen den „Importeuren“ im Allgemeinen  nicht zur Verfügung. Noch wichtiger, dieser Markt wächst beständig und ist enorm stabil. Für Unternehmen aus D.A.CH. kommt hinzu, dass diese Länder für hervorragende Qualität, Tradition und Vertrauen stehen. Das ist ein Bonus, den es zu nutzen gilt und den wir nicht zuletzt dem Gründer der ersten Republik Sun Yat-sen zu verdanken haben: „... Nach allem, was ich bisher von der Welt gesehen habe, erscheint mir Deutschland fast in jeder Beziehung als unser gegebener Lehrmeister. Deutschland hat im Gegensatz zu England, Amerika  und anderen Staaten alles und jedes systematisch und auf wissenschaftlicher Grundlage mit außerordentlicher Gewissenhaftigkeit ausgebildet, während z.B. in England  jeder tun und lassen kann, was er will, und um nur einige Gebiete zu nennen, das in seinem Zeitungswesen, der Kodifizierung seiner Gesetze seinem Städtebau z.B. Hongkong und Singapore deutlich hervortritt wissenschaftliches System gebracht ist gerade das mit aller, gebrauchen. Gerade bei Deutschland haben wir den Eindruck uns wohl will, unsere augenblickliche Schwäche nicht wie andere Länder rücksichtslos ausnützt. ...“ (Interview Erich von Salzmann mit Sun Wen (Sun Yat-sen), „Aus Jung-China“, Tientsin 1912)

Grund 3 – One Belt – One Road

Anji Campus ZUST

2017 ist eine chinesische Initiative gestartet worden, welche im im Westen z.Z. nur von Fachleuten beachtet wird, und die die Handelsbeziehungen vieler Länder auf ein völlig neues Level anheben wird. Diese Inititiative hat historische Ausmaße. Die „Neue Seidenstraße“ verbindet 64 Länder, ca. 62 % der Weltbevölkerung bzw. 35 % der Weltwirtschaft. Entrepreneure in China partizipieren von dieser Initiative. Sie sparen auf diese Weise enorme Kosten für Marktexplorationen und allgemeines Marketing in den neuen Zielländern. Nur ein Beispiel: Sie entwickeln ein Minigrid mit Photovoltaik, Windkraft, BHKW etc. und wollen damit auf den afrikanischen und asiatischen Markt. Als D.A.CH-Marke und mit dem Schwung der neuen Seidenstraße haben Sie im Gegensatz zu den „heimischen“ Mitbewerbern einen unschätzbaren Vorteil.  

Grund 4 – Kosten

Windpark im Kuocang Gebirge

Dieser Grund wird häufig missverstanden. Es geht bei der Kosteneinsparung nicht um geringere Lohnkosten. Viele Regionen implementieren Mindestlöhne, es gibt eine hohe Nachfrage nach Fachkräften und es gibt innerhalb der wachsenden Mittelschicht auch ein Bewusstsein dafuer, was die Arbeit wert ist. Gleichzeitig schreitet die Automation mit enormen Tempo in China voran. Wer wegen geringer Lohnkosten nach China will, der sollte sein gesamtes Konzept nochmals prüfen.

Aber dennoch sind die Gesamt-Kosten deutlich geringer als in D.A.CH. Dahinter steht die gesamte Palette an angebotener Infrastruktur von Facilities, Real Estate, Finance, Transport bis hin zum Government. Diese Infrastruktur ist besonders in den Entwicklungszonen auf die Industrieansiedlung und -Entwicklung abgestimmt und bestmöglich miteinander verzahnt: Kurze Wege, konkrete Strukturen, schnelle Entscheidungen. Ein Beispiel: Sie haben einige Innovationen gestartet und möchten die weltweit patentieren. Bekanntlich ist China der weltweit größte Patenanmelder. Entsprechend sind die Anmeldeverfahren und alle weiterführenden Prozeduren vereinheitlicht und automatisiert. Anmeldungen und letztlich Kosten betragen in China nur einen Bruchteil dessen, was man in D.A.CH. kalkulieren müsste.

Welche Kosten Sie letztlich sparen, hängt stark von ihrem Vorhaben ab. Grundsätzlich liegt man jedoch immer richtig, wenn man meint, dass man in China mit den gleichen Kosten (wie in D.A.CH) bedeutend mehr bekommt.

Grund 5 – Stabilität und Sicherheit

PV Facilities

Chinas Ökonomie wächst seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts - und zwar rasant. Und dies trotz zahlreicher weltbewegender Ereignisse, wie z.B. Kalter Krieg, Zerfall des Ostblocks, Krieg gegen Terror, Finanzkrise, Nahostkonflikt ... Das oberste Ziel der chinesischen Staatsführung ist die Erhaltung dieser Stabilität und die Steigerung des allgemeinen Wohlstandes. Man beschreibt das hier mit der „Entwicklung der harmonischen Gesellschaft.“ Dieses Commitment ist ein Garant für Firmen, dass ihre Anstrengung und Investitionen auch langfristig geschützt sind.

China gilt – gerade für Ausländer – als eines der sichersten Länder der Welt. Nicht nur für weibliche Mitarbeiter ist dies ein wichtiges Kriterium, wenn verschiedene Standorte miteinander verglichen werden sollen.

Grund 6 – Herausforderungen

Sporthalle

Man mag sich über diesen Grund wundern. Ich habe ihn trotzdem mit hineingenommen, weil er mir passend erscheint. Ja, China ist eine Herausforderung. Das fängt mit der Sprache an, der Kultur, dem Essen, dem enormen Konkurrenzdruck ... Schwierigkeiten ohne Ende. Doch genau die sind es, die Ihr Unternehmen bereichern werden. Ich hab es mehr als einmal erlebt, wie z.B. ein Mittelständler aus seinem beschaulichen Ort am Untermain den Sprung wagte und das 100 Jahre alte Familienunternehmen zu bis dahin ungeahnten Möglichkeiten verhalf. Globalisierung heißt nicht, dass man seine Wurzeln verrät, sondern viel eher, dass man neuen Möglichkeiten, Menschen und Erfahrungen offen gegenübertritt.

Sprache, Kultur, Essen .... können lästige Herausforderungen darstellen – dann sollte man am Untermain verweilen. Es kann aber auch eine Möglichkeit sein, sein eigenes Leben durch neue Erfahrungen zu bereichern – dann auf nach China!

Sven Tetzlaff

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